?Raaah!“ Ein grimmer, furchteinfl??ender Schrei hallte durchs Geh?lz. Er war von einem riesengro?en, starken Mann ausgesto?en worden. Doch schien er nicht den gewünschten Effekt gehabt zu haben. Nur l?cherliche zehn Ellen von ihm entfernt türmte sich ein riesiger Berg an Fleisch, gekleidet in dichtem Fell, auf. Der Braunb?r stellte sich auf die Hinterpfoten und machte sich gro?, da er das Ungetüm von einem Mann vor sich bedrohen wollte und diesen offenbar nicht als Bedrohung für sich selbst sah. Er machte ihm eine Kampfansage. Und sein verh?ngnisvoller Widersacher verstand die Geste. Der in Lederrüstung, mit darunterliegendem Kettenhemd, gekleidete Mann, war keineswegs eingeschüchtert. Er wusste, dass es unklug, ja gar sinnlos war, hier jetzt davonzulaufen. Darum nahm er seinen stets zuverl?ssigen Speer zur Hand und begab sich in Kampfstellung.
Er war bereit. Unmittelbar darauf stürmte das Raubtier auf ihn los. Der Krieger hielt, gespannt wie ein Flitzebogen, aus. Er bewegte sich keinen Millimeter vom Fleck und wartete mit st?hlernen Nerven den rechten Moment ab. Es war ein grauenerregendes Bild. Das Biest, das jeden Augenblick über ihn herfallen würde, war von gewaltiger Gr??e, mit Tatzen gro? wie Speisetellern und einer Kraft, die, wie man vermuten k?nnte, selbst ganze B?ume einfach so umzuwerfen in der Lage war. Der Angstschwei? tropfte ihm von der Stirne, seine langen Zotten hingen ihm bis in den Dreck hinab. Er hielt inne. Dann, ehe die Kreatur mit ihren langen, scharfen Klauen auf ihn hinschlagen konnte, stach er zu!
Mit aller Kraft, einem festen Stand und beiden H?nden am Stiel stellte er sich dem Monster entgegen. Die Spitze seiner Waffe bohrte sich in das Fleisch des angreifenden Tieres und der Verteidiger sprang beiseite, um dem daherbrausenden B?ren auszuweichen. Das Tier war verwundet und schreckte kurz zurück. Der Kerl ging wieder in eine Verteidigungsstellung. Und recht hatte er! Denn es ergab sich nun, dass das Biest noch nicht genug hatte. Wieder sprang es ihm entgegen, und wieder fügte er ihm eine Verletzung zu. Als er dann jedoch erneut zur Seite ausweichen wollte, drehte sich der Mordsbrocken mit ihm mit! überrascht machte der K?mpfer einige Schritte zurück. Das Wildtier dr?ngte ihm aber sofort nach und überrumpelte ihn. Er fiel auf dem Boden und der B?r war nun direkt über ihm!
War es das? War das sein Ende? Nein! Der Mann rammte seinen Speer mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, in die Brust der Kreatur! Durch ein wenig Glück ergab es sich, dass er jetzt genau deren Herz durchbohrt hatte. Das Ungeheuer r?chelte und gurgelte in tiefen, intensiven Lauten. Dann war es auf einmal blitzschnell vorbei. Direkt auf ihm fiel der B?r zusammen und rührte sich nicht mehr. Infolge wurde der Sieger dieser Konfrontation, wie ein Pfannkuchen, vom Gewicht des von ihm erlegten Untiers erdrückt. Aufheben konnte er es nur in geringem Ausma?e, und somit wand und schl?ngelte er sich langsam aber doch unter dieser hervor. Als er dann endlich wieder auf den Fü?en war, überkam ihn die Erleichterung. Gott sei Dank, hatte er diese Begegnung überlebt. Nicht, dass er an sich selbst je gezweifelt hatte. Die Kante von einem Mann machte dann eine Kontrollrunde um seine Beute, um sich diese nochmals in Ruhe anzusehen. Es war ein wirklich, wirklich gro?er B?r. Der gr??te, den er je gesehen hatte. Naja, es war auch erst der zweite, den er je gesehen hatte, aber was soll’s.
?So viel dazu!“, kommentierte er dann, überglücklich. ?Niemand kann mich von meiner Mission abhalten, auch kein gef?hrliches Wildtier! So wahr mein Name Alexander Kuhn ist, werde ich erfolgreich sein, denn das bin ich meinen Vorfahren schuldig!“, proklamierte er laut in den Wald hinaus. Er war allein, aber das spielte hierbei nun keine Rolle. Er hatte dies für sich selbst ge?u?ert. Dann zückte er noch sein Jagdmesser und nahm sich eine der Tatzen des B?ren als Troph?e und Glücksbringer mit. Mehr davon verwertete er nicht. Er hatte keine Zeit. Er musste weiter, denn es gab etwas, das er finden musste. Weiter ging’s entlang dem Waldweg.
Schon w?hrend er weiterschritt, pfiff er nach Sternschnuppe, seinem treuen Ross. Sie war kurz vor der B?renattacke instinktiv davongelaufen, und jetzt rief er sie wieder zu sich. Es dauerte derart lange, dass Alexander schon fast glaubte, sein Pferd würde ihm nicht mehr wiederkommen, aber nach nicht enden wollendem Pfeifen kreuzte sie schlie?lich doch noch auf. Er sattelte sie und ritt den Rest des Tages bis zur D?mmerung noch weiter. Dann schlug er ein kleines Einmannzelt für sich auf und machte sich ein Lagerfeuer, weniger um sein Essen zu kochen, sondern vielmehr, um Wildtiere fernzuhalten. ?Uff!“, st?hnte er. Der Kerl war absolut ger?dert. Es war ein harter Tag für ihn gewesen. W?hrend er etwas Brot und K?se aus seinem Proviant zum Abendessen mampfte, versank er in seiner Gedankenwelt:
Die Stra?e, die von Meglarsbruck aus direkt gen Norden führte, ritt er entlang. Zwar nicht im Galopp, aber er war definitiv recht geschwind unterwegs. Schon im ersten Dorf, das der Strecke entlang lag, klopfte er bei einigen H?usern an. Bei der ersten Tür machte ihm eine ?ltere Dame in graubraunen Gew?ndern auf. Sogar die Essensgerüche dessen, was dort drin gerade gekocht wurde, lie?en den Besucher, von dem die Hausbewohnerin anfangs annahm, dass er ein Hausierer war, sofort an alte Leute denken. In der Tür stehend, sagte sie ihm: ?Ein verhüllter Reiter? Da müssen Sie aber noch etwas genauer werden, mein Herr! Wissen Sie wie viele Reisende hier t?glich durchkommen? Als würde ich mich an eine einzelne Person erinnern.“ – ?Er war ein imperialer Herold. Wom?glich trug er irgendeine Art von Abzeichen, das ihn als solchen erkenntlich machte. W?re das eine M?glichkeit?“ Die Dame zuckte nur mit den Schultern. ?Wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen sagen. Keine Ahnung. Vielleicht war da ein solcher Mann, aber mir ist er bestimmt nicht aufgefallen.“ Alexander zupfte sich an seinem Bart und antwortete ihr dann: ?Ist schon in Ordnung, Gro?mütterchen! Ich habe mir hier nicht allzu viel erwartet. Trotzdem danke für die Auskunft!“
Die Frau schien eher wenig beglückt von ihrer neuen Bekanntschaft zu sein und warf ihm ein barsches, ?Lebwohl!“, entgegen, bevor sie gleich wieder ihre Eingangstüre zuschmiss. Aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit, hier überhaupt etwas in Erfahrung bringen zu k?nnen, war er nur wenig entt?uscht und zog weiter, um die n?chsten Leute zu befragen. Ebenso trat er an H?ndler, die hier direkt an der Durchzugsstra?e ihre Verkaufsst?nde aufgeschlagen hatten, heran. Zwei, drei, vier, fünf, sechs Personen und noch zahllosen Weiteren stellte seine Anfrage. Dieses Unterfangen blieb g?nzlich ergebnislos. Selbst nach einem vollen Tag der Nachforschung, den er an nur diesem einen Ort verbracht hatte, hatte sich nicht eine einzige Person finden lassen, die ihm irgendeine brauchbare Information geben konnte. Niemandem war ein unauff?lliger Reiter h?ngengeblieben. Wer h?tte sich das wohl denken k?nnen? Au?er wahrscheinlich jeder….
Daraufhin zog der Kuhn Spross weiter. Er durfte nicht ablassen. Die Nacht, in der jener Reiter an ihm vorbeigezischt und ihm im Endeffekt durch die Lappen gegangen war, verfolgte ihn noch immer. ?Das ist einer der vier Boten des Reichskanzlers gewesen! Irgendwo n?rdlich von hier muss er das Amulett, das die Magie Melgars enth?lt, versteckt haben. Und ich muss es finden. Es w?re der letzte Schritt, um endlich ganz nach oben zu kommen!“ Das waren die Dinge, die ihm in dem Moment durch den Kopf gingen. Er hatte durch einen Untergebenen Balduins hinter vorgehaltener Hand über das Seelenamulett erfahren. In den oberen Kreisen gingen nun vielerlei Gerüchte über all das, was Herr Rubellio enthüllt hatte, um. Wie viel davon stimmte konnte er nicht sagen. Es gab nur eines, das er mit Sicherheit wusste: ?Ich kann es ganz nach oben schaffen, wenn ich das Ding in die Finger bekomme!“
Und bevor er es wen anderem überlie?e, würde er es sich lieber selbst einverleiben. Alexander drang nun weiter in den Norden Ordaniens vor. Auf seinem Weg befragte er immer und immer wieder Leute, aber keiner von ihnen konnte ihm bezüglich dem Herold helfen. Es war frustrierend. Der Mann würde weiterhin ringen und k?mpfen müssen. Dieser Satz würde eigentlich als gute Beschreibung seines bisherigen Lebens herhalten k?nnen.
Zurück im Hier und Jetzt legte sich Alexander im Schein seines kleinen Lagerfeuers schlafen. Mit dem Rücken lehnte er sich dabei sogar an seinen besten Freund, also sein Pferd an. Er schlief nun recht rasch ein. Doch selbst in seinen Tr?umen lie? ihm seine Vergangenheit keine Ruhe. Er reiste jetzt sogar noch weiter zurück in der Zeit.
An einem vertrauten und gleichsam dr?uenden Schauplatz fand er sich wieder. Schwarze Rauchschwaden verdunkelten die Sicht in die Gassen vor und neben ihm. Kampfesgeschrei war zu vernehmen und auch er lief diesem entgegen. Ein solch penetranter Geruch lag in der Luft, dass er diesen in seinem Mund schmecken konnte. Es war ein widerlicher Geschmack, der ihn noch lange verfolgen würde. Blut und Stahl. Es war der Stahl ihrer Schwerter sowie das Blut derer, die gegen die Herrschaft des Erkorenen hier den Aufstand probten.
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Sinnlos. V?llig sinnlos, war diese Aktion. Ihre Hoffnungen waren bereits an der Realit?t zerschellt, bevor ihr Versuch überhaupt richtig beginnen konnte. Im Vorfeld der Erhebung hatte ihnen seine Majest?t einen Brief zukommen lassen, in dem genau alle Orte, inklusive Stra?ennamen und Hausnummern, ja selbst die exakte Anzahl der Aufrührer aufgelistet waren. Als ihm der Bote der Karos damals das Schriftstück überreicht hatte, war Alexander in v?lligem Unglauben darüber gewesen, dass es tats?chlich bis ins Detail zutreffen konnte. Letztlich fand er aber heraus, das dem durchaus so war! Seine Heiligkeit Melgar war übernatürlich, ein Wunder. Er war gesegnet. Es war unm?glich ihn zu besiegen oder auszutricksen. Er würde es schon im Voraus wissen.
Alexander wurde, als der Anführer der Truppe, in diese Stadt, die vorhatte zum Widerstandsnest zu werden, ausgesandt. Sie kamen, um den Aufstand niederzuschlagen, oder wohl eher, um die Aufst?ndischen niederzuschlagen. ?Besser tot als lebendig“, lautete das Motto. Der Nachkomme Theodors, des Helden der Revolution, vergoss keine Tr?nen für diese Alethiker. Sie hatten einst seinen Vater ermordet und das hatte er ihnen nie verziehen. Zwar waren diese nur eine illegale Abspaltung der falschen Kirche, welche vom Kaiser offiziell toleriert wurde – wenn es nach General Kuhn ginge, h?tten sie sie allesamt vernichtet! – doch musste ihm das reichen, um seine immer noch vorhandenen Rachegelüste zu stillen. Und, oh Junge, lebte er diese aus!
Der hohe Milit?r stürzte sich h?chstpers?nlich mitten ins Kampfgetümmel. Von allen Seiten flogen Schwerthiebe und er schlug ebenso wild drauf los, aberdutzende an Feinden niederstreckend! Vordergründig war er aufgrund seiner Pflicht und aufgrund der Befehle hier, doch in Wahrheit war er auch für sich selbst hier. Er wollte Rache üben und er wollte sich beweisen. Er wollte beweisen, dass er der Sohn seines Vaters war, dass er das Zeug dazu hatte in dessen gigantische Fu?stapfen zu treten. Andere mochten wohl eher zu Harald dem Furchtlosen und ?hnlichen Sagenhelden aufgesehen haben, doch wenn man der Sohn Theodor Kuhns war, dann brauchte man solch Erfundene Vorbilder nicht.
Erst nachdem der Blutrausch abgenommen hatte, dünkte es ihm, dass er am ganzen K?rper zahllose Wunden zugefügt bekommen hatte und er, wie ein Nudelsieb, auslief. Ein Feldsanit?ter konnte ihn gerade noch so retten! Halb tot auf einem schmutzigen Feldbett liegend, entglitt ihm laufend das Bewusstsein und unter schrecklichen Schmerzen hatte er seine dunkelste Stunde erreicht. Eine Zeit lang gab er sich der Verzweiflung preis und hatte sich bereits aufgegeben, nur um am Ende doch durchzukommen. Das würde allerdings nie wer erfahren. überall würde er nur herumerz?hlen, wie gro?artig und glorreich seine Gefechte mit den Aufst?ndischen gewesen waren, und wie sehr er sie doch dominiert hatte. Wie schon sein Vater wollte er….musste er zur Legende werden. Zu diesem Zwecke beschwindelte er sogar sich selbst. Es waren in der Tat h?chstens zwei, drei Gegner gewesen, deren Vernichtung man ihm zurechnen konnte.
Alexander erwachte. Der Tag war soeben angebrochen, doch das kümmerte ihn wenig. Im Licht der Morgend?mmerung setzte er sich auf und blickte stumm an sich hinab. An seiner mittlerweile mit Schmutz besudelten Uniform waren vorne mehrere milit?rische Ehrenabzeichen angebracht. Er hatte sich fürs Reich verdient gemacht. Immer noch schmerzte ihn sein Leib. Obwohl es ein frischer Morgen war, zog er seinen Oberk?rper aus, um sich kurz zu betrachten. Ihm war aber nicht kalt. Ganz im Gegenteil, quoll aus seinem nackten Torso eine enorme Hitze hervor. Der Krieger schob seine lange M?hne beiseite und begutachtete seinen Leib. über und über war er mit Narben bedeckt. Ein lebendes Mahnmal der Schlachten, die zur Vollendung der Revolution geführt hatten.
Auch er hatte Vieles aufgeopfert, mehr als sich Au?enstehende wohl vorzustellen vermochten. Da gab es nicht nur diese Narben. Schlie?lich raffte sich General Kuhn auf und zog sich wieder an. ?Zu viel. Viel zu viel habe ich geopfert, um zu bereuen oder gar umzukehren! Sollen sie mich Verr?ter nennen, aber in Wirklichkeit bin ich dem Pfad meines Vaters treugeblieben. Ihm habe ich Ehre gemacht und werde ich noch weiterhin Ehre machen, egal, was sie sagen!“ Dann machte er sich wieder auf, um seine Suche fortzusetzen.
?Klippklapp, Klippklapp!“, erschallten die Hufe seines Reittiers auf der gepflasterten Dorfstra?e, die der Milit?r nun erreichte. Nachdem er das Waldstück hinter sich gelassen hatte, vor allem aber nach dem Vorfall mit dem B?ren, begrü?te er wieder die Gesellschaft anderer Menschen. Er ging hin zur n?chsten Haustüre und begann das Spiel erneut. Bei all seinen milit?rischen Abzeichen mussten Leute eigentlich gewillt gewesen sein, ihm wahrheitsgetreue Auskunft über einen Boten des Reiches zu geben, wenn sie einen solchen denn gesehen hatten………. Wieder keine nützliche Information. Nach ein paar Befragungen gab er schon wieder auf und reiste weiter. Alexander hatte sich auf dieses Abenteuer alleine, ohne andere Milit?rs, begeben, weil er sich der Illegalit?t seines Vorgehens bewusst war. Die Gefahr, derer er sich dadurch preisgab, war immer noch geringer, als das Risiko, von seinen M?nnern, unter denen viele überzeugte Anh?nger des Erkorenen Gottes waren, aufs Kreuz gelegt zu werden, und schlie?lich das Heilige Artefakt wieder entrissen zu bekommen.
Nach dem Dorf, dessen Namen er nicht einmal registriert hatte, ?ffnete sich die Landschaft und ging in flache Weizenfelder über, die nur sporadisch von kleinen Hainen unterbrochen waren. Die ?hren, ebenso wie die dazwischen hervorstechenden Kornblumen, wiegten sich sanft im Wind. Meisengezwitscher begleitete seine Reise, die ihn mittlerweile nahe dem n?rdlichen Abschnitt des Duhns, jenseits dessen bereits Corakien lag, geführt hatte. Die Suche ging immer noch scheinbar ziellos weiter. War hier überhaupt ein Sinn in diesem Unterfangen? Die ersten Zweifel schienen nun in Alexander heranzuwachsen. Doch als er sich auf Sternschnuppes Rücken die lange Stra?e entlangschleppte, erschien ihm eine Gestalt in der Ferne. Von seiner Rechten kam sie daher, also von einem Weg, der so aussah, als würde er über einen weiten Bogen zurück zum Dorf führen, von dem er gerade Abschied genommen hatte.
Die Person kam n?her. Sie war von augenscheinlich durchschnittlicher K?rpergr??e und hatte l?ngere, schwarze Haare. Das hervorstechende Merkmal dieser, war aber die Maske, die sie trug! Es war eine einfache, wei?e Scheibe, die nur vier L?cher für Augen, Nase und Mund hatte. Sehr krude Handwerkskunst. Schon von der Weite winkte sie ihm zu, und deutete ihm innigst, zu ihr zu kommen. ?Was wird das wohl werden?“, fragte sich der Kerl da. Angst hatte er keine vor dieser einzelnen Person, obwohl er sicherheitshalber einen Kontrollblick um sich warf, um zu überprüfen, ob ihm auch sonst niemand aus dem Korn ringsum auflauerte. Dann blieb er jedoch im Sattel sitzen und lie? die Gestalt stattdessen zu sich kommen. Das tat sie dann auch.
?Guten Tag, gesch?tzter Herr! Ich habe in Erfahrung gebracht, dass Sie nach einem ganz bestimmten Reiter suchen.“ Es war eine weibliche Stimme. ?Ja?“, gab er ihr da in fragendem Ton zurück. Sie entgegnete ihm: ?Ich habe den besagten Mann vor einigen Wochen hier durchreiten sehen.“ – Wirklich?“ – ?Ja, habe ich! Und ich wei? auch, wo er sich letztlich hinbegeben hatte. An jenem Tag, an dem er hier hindurchflitzte, hatte ich eine üble Vorahnung über diesen verd?chtigen Raser. Deshalb hatte ich ihm nachgestellt. Daraufhin gingen mit dem General die Emotionen durch und er sprang von seinem treuen Gef?hrten herab, hei? darauf, was er von der mysteri?sen Dame erfahren konnte. Somit dr?ngte er zu ihr heran, ja rückte ihr gar ungemütlich nah an die Pelle, und sagte: ?Wo ist er hin? Ich muss es wissen!“ Als die Frau einen kurzen Moment z?gerte, eigentlich nur um ihre Gedanken zu ordnen, fuhr er sie gleich scharf an. ?Ich hei?e Alexander Kuhn, in meiner Funktion General der Heiligen Ordanischen Armee! Ich befehle Ihnen, mir die Information zu geben, die sie haben!“
Die Adressierte erschauderte kurz, antwortete ihm jedoch dann: ?Werter Herr, ich werde mich hier nicht erpressen lassen! Seid gewiss, ich werde euch sogar pers?nlich an den Ort hinführen, wo der Bote eingekehrt war, bevor er wieder kehrt machte, um in die Hauptstadt zurückzureiten.“ Alexander schien nun von ihrer widersprüchlichen Aussage etwas verwirrt zu sein, doch sie führte gleich weiter aus: ?Ich m?chte n?mlich, dass Sie mir helfen, den Gegenstand von denjenigen, die ihn in Besitz genommen haben, zurückzuholen.“ Die Bitte schien den starken Kerl zu amüsieren und er lachte ein wenig. ?Oh, ich werde das Ding zurückholen, verlassen Sie sich drauf!“, sagte er darauf. Die Dame erkl?rte ihm dann noch: ?Eigentlich wollte ich das Amulett ja schon selbst ergattern, aber weder habe ich die Kraft es mit Gewalt den M?nchen abzuringen, noch kann ich in es ihnen heimlich stehlen. Deren Rückzugsort, ist wie eine natürliche Festung.“ – M?nche?“, fragte der Kuhn da nachvollziehbarerweise.
?Ja. Es ist in der Klause Brandenfels. Ich werde Sie hingeleiten. Dann werden Sie sich mit eigenen Augen ein Bild davon machen k?nnen, warum ich an Sie herangetreten bin. Das abgeschiedene Kloster ist ein hervorragendes Versteck, in das man sich nicht einfach so hineinschleichen kann.“ Fast schon, als w?re er auf einen Schlag zwanzig Jahre jünger geworden, erschien da ein h?misches Grinsen in seinem Gesicht. ?Na, gut. Ich bin mit deinem Vorschlag einverstanden“, gab ihr der Mann zur Antwort. Zuerst lie? er sie aber noch ihre Taschen lehren und untersuchte sie auf m?gliche versteckte Messer. Die einzige Klinge, die sie hatte, h?ndigte sie ihm gleich freiwillig aus.
Das war’s dann auch. Dann bestieg er wieder sein Ross und hievte die Frau zu sich hinauf. Gemeinsam machten sie sich dann auf zu ihrem Ziel. Das abgelegene Kloster Brandenfels, lag bereits in Corakien. Bis dorthin war es immer noch ein sch?nes Stück, aber wenigstens wusste er nun wo er hinmusste. Alexander hatte nun enorme Zuversicht gesch?pft. Das war sicher nicht ein einfacher Glücksfall. Er war überzeugt, dass es g?ttliche Fügung sein musste.

