Das Dr?hnen des Schreis lag noch immer in ihren Knochen.
Es war kein blo?es Ger?usch gewesen, das über die Lichtung gefegt war; es war eine Erschütterung, die Krents Mark und Pfennig erzittern lie?, ein Nachhall, der tief in seinem Inneren vibrierte – so, als h?tte etwas Uraltes kurz an der Welt gezerrt und sie dabei durch ihn hindurch gespannt wie eine Saite.
Der Wald hatte danach wieder geschwiegen. Doch dieses Schweigen war nicht mehr das Gleiche wie vorher. Es war nicht die lauernde Stille eines Ortes, der etwas verbirgt – es war die Stille nach einem Urteil, das gesprochen wurde.
?Er… er hat mich angesehen.“
Valerias Stimme war kaum mehr als ein brüchiges Flüstern. Sie stand vollkommen reglos da, den Blick auf die Stelle geheftet, an der das gewaltige Wesen eben noch die Realit?t selbst gebeugt hatte. Ihre Finger zitterten so stark, dass sie den Bogen kaum noch halten konnte. Die Sehne vibrierte leise unter der unruhigen Hand, als würde selbst das Holz ihrer Haltung misstrauen.
Krent schwieg.
Sein Herz h?mmerte in einem rasenden, ungleichm??igen Rhythmus gegen seine Rippen. In den Ohren rauschte das Blut so laut, dass er das letzte Knistern der erloschenen Glut nur wie eine ferne Erinnerung wahrnahm. Er zwang seinen Blick, über die Lichtung zu wandern.
Leer.
Kein Schatten, der zwischen den B?umen tanzte. Kein massiver Abdruck im Boden. Keine zerdrückten Halme, keine gebrochene Wurzel, kein Splitter, der verraten h?tte, dass dort eben etwas gestanden hatte, das gro? genug gewesen war, um die Welt kleiner wirken zu lassen.
Nur der Geruch blieb – nicht nach Rauch oder Fleisch, sondern nach kalter Luft, nach etwas… Fremdem. Ein metallischer Hauch, der sich an den Gaumen klebte, sobald er atmete.
Zwischen den massiven St?mmen der Eichen hing noch immer ein feiner, fast unmerklicher Schimmer, als h?tte der chromatische Farbenhimmel einen flüchtigen Abdruck in der Existenz hinterlassen. Und doch war da nichts, das man h?tte greifen oder messen k?nnen. Keine verbrannten Spuren auf dem Moos, keine zerbrochenen ?ste, wo die Flügel den Wind geschnitten hatten.
Es gab nur die physische Erinnerung an den gewaltigen Druck auf der Haut und an diesen Laut, der weit mehr als nur ein Schrei gewesen war.
Valeria presste die Hand fest an ihren Ring, als k?nnte das kühle Metall sie irgendwie in der Wirklichkeit erden. Ihre Fingerspitzen waren eisig blau unterlaufen. Ihr Atem ging zu flach, zu schnell. Kleine wei?e W?lkchen bildeten sich vor ihrem Mund in der pl?tzlich klammen Luft.
?War das real?“
Sie ?ffnete den Mund, als wollte sie noch etwas hinzufügen, doch kein Wort kam über ihre Lippen. Sie schüttelte nur langsam den Kopf und presste die Lippen so fest zusammen, dass sie eine schmale, blasse Linie bildeten.
Warum… warum ich?, stand in ihrem Blick, so deutlich, dass Krent es fast h?rte.
Krent zwang seine Schultern in eine aufrechte Haltung. Der Schwei? lief ihm trotz der K?lte den Rücken hinunter, kalt wie ein Finger, der ihn festhielt. Er spürte, wie seine H?nde kurz nachgaben, wie seine Finger sich unwillkürlich in die Griffe der Zwillingsklingen krallten, als müssten sie sich vergewissern, dass etwas Greifbares überhaupt noch existierte.
?Wir berichten Meryia. Sofort. So etwas ignoriert man nicht.“
Er wollte, dass seine Stimme h?rter klang, als er es in diesem Moment fühlte. Iridium-Rang, Elite, absolute Kontrolle – das war das Bild, das die Welt von ihnen erwartete, das Fundament, auf dem ihr Ruf stand.
Aber sein K?rper weigerte sich, die Lüge vollst?ndig zu akzeptieren.
Er erinnerte sich zu gut an das totale Erstarren. An den Moment, in dem selbst seine Gedanken zu Stein geworden waren. Daran, wie seine Magie – sonst so willig, so pr?zise – sich angefühlt hatte, als würde sie sich in ihm verstecken.
Rei? dich zusammen.
Du hast eine Frau neben dir, die sich gerade kaum noch zu atmen traut.
Valeria schluckte. Ihre Kehle arbeitete, als würde sie gegen etwas Unsichtbares ank?mpfen. ?Ich… ich hab kurz gedacht, ich falle um“, flüsterte sie schlie?lich. Sie zwang sich, den Blick zu heben und Krent in die Augen zu sehen. Da war nicht nur Angst – da war das nackte Unverst?ndnis eines Menschen, der sich pl?tzlich in einem Spiel wiederfindet, dessen Regeln er nicht kennt.
?Wenn das ein Echo war…“ Ihre Stimme brach an dem Wort. ?Warum war es so… nah?“
Krent sah in den Wald hinein. Seine Augen suchten die Schatten ab, als würde er die B?ume dabei ertappen k?nnen, wie sie sich bewegten. Als würde die Welt irgendeinen Fehler machen, den man benennen konnte.
?Weil hier etwas gewaltig falsch l?uft.“ Seine Stimme war leiser, aber fester. ?Und weil wir mitten drin stehen.“
Er wartete nicht auf eine Antwort. Er setzte sich in Bewegung – nicht hastig, nicht panisch. Nur schnell genug, um den Gedanken keinen Platz zu geben, sich festzubei?en.
Valeria folgte. Ihre Schritte waren zun?chst unsicher, als würde der Boden unter ihr nicht mehr zuverl?ssig sein. Dann zwang sie sich in einen Rhythmus. Einatmen. Ausatmen. Schritt. Schritt. Sie hielt den Bogen, als w?re er ein Teil von ihr, doch ihre Finger verrieten sie.
Sie machten sich auf den Rückweg.
Doch die Atmosph?re des Waldes hatte sich grundlegend gewandelt.
Die Luft fühlte sich nun schwer an, aufgeladen mit einer elektrischen Spannung, die Krents Nackenhaare aufstellte. Nicht wie ein Gewitter, das kommt – eher wie ein Raum, in dem zu viel Magie in zu wenig Luft gepresst wurde. Es war, als h?tte der Wald eine neue Haut bekommen, eine, die nicht richtig sa?.
Manchmal wurde die Magie in der Umgebung so dicht, dass Krent sie wie einen metallischen, feuchten Nebel auf der Zunge schmecken konnte. Dann – so abrupt, dass es fast k?rperlich wehtat – wurde die Welt schlagartig leer. In diesen Momenten klangen ihre Schritte auf dem Waldboden fremd und hohl, als würden sie nicht mehr in diesen Wald, vielleicht nicht einmal mehr in diese Welt geh?ren.
Valeria hob einmal instinktiv den Bogen, als ein Schatten unnatürlich zuckte.
Krent sah es auch. Nicht klar. Nicht wie eine Gestalt. Nur ein falsches Flimmern zwischen Farn und Stamm, ein kurzer Knick im Dunkel, als w?re die Finsternis selbst kurz ausgerutscht.
Valeria zog die Sehne mit zitternden Fingern zurück und bereitete einen kleinen Flammenpfeil vor, nur eine winzige Portion Feuer – genug, um die Dunkelheit zu testen, nicht mehr.
Der Funke sprang.
Und starb.
Das Feuer flackerte nur für einen winzigen Herzschlag kl?glich auf und verging sofort wieder, als h?tte eine unsichtbare Hand den Funken erstickt. Der Pfeil blieb kalt. Nichts an ihm leuchtete. Nur Valerias Blick blieb an der Stelle h?ngen, als k?nnte sie den fehlenden Brandgeruch sehen.
Sie lie? die Sehne los, ohne geschossen zu haben. Ihr Blick war leer.
?Das… ist weg.“
Krent nickte knapp. Er spürte sein eigenes Mana unter der Haut, das gewohnte elektrische Kribbeln – doch es war, als würde es sich nicht trauen, nach au?en zu treten. Als würde jemand die Luft davor festhalten.
?Ich wei?.“ Seine Stimme klang rau. ?Und wenn es wiederkommt, kommt es zu stark.“
Valeria sah ihn kurz an, als würde sie fragen wollen, ob das ein Scherz war. Aber Krents Gesicht lie? keinen Raum für Humor.
Sie gingen weiter.
Der Wald schluckte das letzte Restlicht endgültig. Sterne waren nur in winzigen Lücken zwischen den Kronen sichtbar, blass, fern, als würden sie absichtlich wegsehen. Der Wind drehte sich. Einmal war er warm, als k?me er von der Erde selbst, dann wieder eisig, als h?tte er den Himmel berührt.
Dann kam der Geruch.
Ein kalter, bei?ender Gestank kroch in Krents Nase – wie verbrannter Stein, vermischt mit der stechenden Note von Schwefel. Nicht natürlich. Nicht wie Lagerfeuer. Nicht wie Blitz in einem Sturm. Etwas Chemisches. Krankes.
Krent blieb wie angewurzelt stehen.
Nicht, weil er etwas sah – sondern weil sein Instinkt, gesch?rft in unz?hligen K?mpfen, ihm zuschrie, dass der n?chste Schritt sein letzter sein k?nnte. Er hob die Hand, um Valeria zu stoppen, ohne den Blick von dem dichten Farnkraut vor ihnen abzuwenden.
Valeria erstarrte sofort. So sehr sie auch zitterte – diese Disziplin war ihr ins Fleisch geschrieben.
Kurz vor dem Waldrand – dort, wo das Licht der Sterne eigentlich den Weg weisen sollte – war ein Rascheln zu h?ren.
Es war kein Tier, das flüchtete.
Es war das Ger?usch von jemandem, der sich in aller Ruhe positionierte.
?Nicht bewegen“, hauchte Krent.
Seine Stimme war so leise, dass sie kaum mehr als Luft war. Trotzdem spürte Valeria die Worte wie einen Druck auf der Haut. Sie hielt den Atem an. Ein Schauer kroch ihr langsam den Rücken hinab, Wirbel für Wirbel.
Sie spürte es jetzt auch.
Etwas Dunkles. Abgrundtief Feindseliges. Nicht wild wie ein Raubtier – zielgerichtet wie Hass.
Der Wind drehte sich pl?tzlich, als w?re er aus einer v?llig anderen Richtung in diese Welt gefallen. Das Moos an den massiven Wurzeln der Eichen wirkte pl?tzlich grau und leblos, als h?tte eine unsichtbare Kraft alles Leben aus ihm herausgesaugt. Und irgendwo, tief im dichten Unterholz, klang ein leises Knacken.
Nicht das Ger?usch eines Astes, der unter einem Gewicht brach.
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Es klang wie ein Gelenk, das sich nach einer langen Starre streckte.
Das Unterholz explodierte f?rmlich.
Ein Schatten trat aus der Finsternis hervor, so pl?tzlich, dass er eher materialisiert als gelaufen wirkte. H?rner ragten schwarz und scharf gebogen aus einem schmalen, bleichen Sch?del. Die Augen besa?en eine unnatürliche Spiral-Iris, die in einem giftigen, pulsierenden Grün und Violett starrte – als würde der Blick selbst drehen, bohren, schaben.
Zerfetzte, lederne Flügel klappten mit einem trockenen Ger?usch auf. Nicht majest?tisch. Nicht kraftvoll. Eher wie ein altes Tuch, das über Knochen gezogen wurde. Ein widerw?rtiges, viel zu breites Grinsen verzerrte die Fratze des Wesens.
Ein D?mon.
Die Luft um ihn herum war falsch. Sie knisterte nicht – sie stank. Schwefel, verbrannter Stein, und darunter etwas Sü?liches, als w?re Tod ein Parfüm.
Valerias Augen weiteten sich vor Entsetzen. Ihre Lippen bewegten sich, bevor ihre Stimme kam – und als sie kam, war sie ein gepresstes, kaum glaubwürdiges Flüstern.
?Ein… H?herer D?mon…“
?Verdammt.“
Krent schob sich mit einer ruckartigen Bewegung schützend vor sie. Nicht heroisch. Instinktiv. Seine Zwillingsklingen glitten in die H?nde, und blaue Funken züngelten unruhig an den Schneiden – aber sie wirkten schw?cher als gew?hnlich, unregelm??ig, als würde die Magie stolpern.
Seine Finger verkrampften sich um die Griffe. Der Lederwickel knirschte unter dem Druck.
Das hier war keine gew?hnliche Dungeonbestie. Kein Tier, das um sein Revier oder um Nahrung k?mpfte.
In der Aura dieses Wesens lag ein Wille.
Ein b?sartiger Wille.
Und dieser Wille roch nach Schwefel und dem Tod.
Der D?mon lachte.
Ein Laut wie rostige Ketten, die langsam über rauen Stein geschleift werden. Er vibrierte nicht nur in der Luft – er vibrierte in Krents Z?hnen. Seine blo?e Pr?senz presste die Luft aus ihren Lungen, als würde die Welt selbst unter seinem Blick beben.
Krent fühlte, wie seine Knie unter der schieren Last dieser Bosheit nachgeben wollten.
Doch er zwang sich mit aller Gewalt, stehen zu bleiben.
Ich darf nicht wanken.
Nicht vor Valeria.
Langsam, fast schon lasziv, beugte der D?mon sich vor. Sein Grinsen wurde breiter, als w?re es dehnbar. Die glühenden Spiral-Augen waren voller Grauen, aber auch erfüllt von einem tiefen, h?mischen Spott – als h?tte er sie schon tausendmal gesehen und wüsste genau, welche Ger?usche sie machen, wenn sie brechen.
Dann zischte ein einziges Wort über seine fahlen Lippen, scharf wie eine Klinge:
?Spielen?“
Für einen Herzschlag war alles vollkommen still.
Dann kippte die Welt.
Der Schrei des D?mons war kein blo?er Laut – er war ein Riss in der Wirklichkeit. Schwarze Blitze, vermischt mit flackernden, unnatürlichen Flammen, jagten durch die Nacht. Sie zerfetzten die umliegenden B?ume, als h?tten die jahrhundertealten Eichen nie existiert, und verwandelten Holz in fliegende Splitter.
Der Boden vibrierte. Luft wurde zu Druck. Krent spürte, wie ihm die Ohren schmerzten, als würde der Schrei nicht geh?rt, sondern gedrückt.
?Deckung!“, brüllte Krent.
Valeria sprang mit einem verzweifelten Satz zurück, riss die Arme hoch, als k?nnten sie sie vor Holzsplittern schützen. Bl?tter, Rinde, Erde – alles flog. Ein Baum neben ihnen platzte auf, als h?tte jemand ihn von innen gesprengt.
Doch Krent stürmte nach vorne.
Er wusste, dass Flucht keine Option war. Nicht in dieser Enge. Nicht mit dieser Pr?senz im Rücken. Nicht mit Valeria.
Die Zwillingsklingen blitzten in der Dunkelheit auf. Funken tanzten um ihn herum, blassblau, w?hrend er sich durch Trümmer und Staub bewegte. Sein Schritt war nicht kopflos – er war kalkuliert.
Er k?mpfte, wie er es gelernt hatte: mit der kühlen Pr?zision eines Iridium-Abenteurers.
Ein Schritt zu tief gesetzt, ein Hieb absichtlich zu kurz geführt – nur um den Rhythmus des Gegners zu brechen. Er zwang seinen K?rper in Sequenzen, die er tausendmal geübt hatte. Nicht, weil sie hier garantiert funktionierten. Sondern weil er sonst nichts hatte, woran er sich festhalten konnte.
Der zweite Schnitt kam blitzschnell von unten.
Der dritte war ein gezielter Sto?, der jedes normale Monster dazu gezwungen h?tte, die Deckung aufzugeben oder auszuweichen.
Doch der D?mon wich nicht einfach aus.
Er bewegte sich nicht wie ein Gegner aus Fleisch und Blut; er war wie der Wind selbst. Nicht sichtbar in seiner Bewegung, nur in dem, was zurückblieb: ein Zug an der Luft, ein Schatten an der falschen Stelle, ein Flimmern, das Krents Augen zu sp?t als ?Position“ akzeptierten.
Es wirkte, als h?tte der D?mon den Schlag l?ngst gesehen, noch bevor Krent ihn überhaupt gedacht hatte.
Krent schnitt ins Leere.
Die Klinge pfiff. Magie knisterte schwach. Und dann stand der D?mon pl?tzlich woanders – nah genug, dass Krent den Schwefel riechen konnte, dass er den nassen Klang des Grinsens h?rte.
Mit einer Geschwindigkeit, die Krents Sinne überforderte, krachte die Faust des D?mons nieder.
Der Boden unter Krent brach mit einem ohrenbet?ubenden Krachen auf. Erde und Steine splitterten in alle Richtungen. Ein Krater fra? sich ins Moos. Krent sprang zur Seite – gerade früh genug, dass der Einschlag ihn nicht direkt traf.
Trotzdem jagte der Schock durch seine Beine, bis in die Hüfte. Es fühlte sich an, als h?tte die Erde ihm einen Schlag verpasst.
?Schnell“, lachte der D?mon, und seine Stimme triefte vor tiefem, verletzendem Hohn. ?Aber so schwach.“
Krent biss die Z?hne so fest zusammen, dass er den Geschmack von Kalk in seinem Mund spürte. Sein Atem ging sto?weise. Er zwang seine Schultern nach unten, zwang die Arme ruhig zu halten.
Ruhig.
Wenn du zu schnell wirst, wirst du ungenau.
Wenn du ungenau wirst, bist du tot.
Er schwang erneut. Nicht auf den K?rper. Auf den Raum, den der D?mon nutzen musste, wenn er ausweichen wollte. Ein Schnitt, der den Rückzug bestrafte. Ein Schnitt, der den Winkel schloss.
Der D?mon glitt weg.
Krent spürte einen Luftzug über seinem Handrücken – und wusste, dass das die Faust gewesen war, die ihn h?tte zerbrechen k?nnen. Er riss die Klingen hoch, kreuzte sie, lie? Magie hineinlaufen, so gut es ging. Ein kurzer Blitz sprang über den Stahl.
Die Aura des D?mons riss daran, als w?re sie ein z?her Nebel, der sich zwischen Krent und die Welt schob.
Krent setzte nach. Ein Feint. Ein Schritt nach links, die Klinge nur halb geführt, um den Blick zu ziehen – dann die zweite Klinge im letzten Moment in die andere Richtung, auf H?he des Halses.
Ein normaler Gegner h?tte reagiert. Irgendwie.
Der D?mon l?chelte nur.
Und dann war er wieder weg.
Krent spürte, wie sein Herz gegen die Rippen h?mmerte. Er spürte das Brennen in den Unterarmen. Die Magie in seinen Klingen flackerte, unwillig, und ein Teil von ihm wollte schreien, weil das nicht sein durfte.
Ich muss ihn wegdrücken.
Nur weit genug, damit Valeria—
Er h?rte Valerias Atem hinter sich. Dieses leise, kontrollierte Einziehen der Luft, als würde sie sich mit letzter Kraft an ihre Disziplin klammern. Er wusste, dass sie den Bogen gehoben hatte. Er wusste es, ohne hinzusehen, weil er sie kannte.
Sie suchte verzweifelt nach einer Schwachstelle – Kehle, Augen, Gelenke.
Doch als sie die Sehne ziehen wollte, flackerte die Magie in der Luft erneut auf. Zu dicht. Zu wild. Unkontrollierbar. Es war, als würde die D?monen-Aura selbst an ihrer Flamme ziehen, sie verdrehen, sie verschlucken.
Ein einsamer Funke sprang von ihrem Pfeil, schoss unkontrolliert in die falsche Richtung und verbrannte lediglich die Rinde einer umgestürzten Eiche. Ein kümmerlicher, l?cherlicher Brandfleck – in einem Kampf, der gerade alles verschlang.
Valeria erstarrte. Ihre Augen weiteten sich, aber nicht vor Angst.
Vor Erkenntnis.
Der D?mon drehte langsam den Kopf zu ihr, als h?tte ihn dieser kl?gliche Versuch aufrichtig amüsiert.
?Oh.“ Ein leises Schnarren. ?Noch ein Spielzeug.“
Krent spürte, wie sich in seinem Bauch etwas zusammenzog.
Nein.
Er wollte sich umdrehen. Wollte zwischen sie springen. Wollte irgendetwas tun, das die Distanz zwischen D?mon und Valeria wieder zu Krents Aufgabe machte.
Doch er war einen Herzschlag zu sp?t.
Die Faust des D?mons traf ihn in die Brust.
Es war kein Schlag. Es war eine Wand. Eine Kraft, die nicht in Muskeln, sondern in Bosheit geboren war. Der Schmerz explodierte wie flüssiges Feuer in seinem Oberk?rper. Krent h?rte das deutliche Knacken seiner Rippen – ein trockenes, brutales Ger?usch, das ihm für einen Moment den Atem raubte, bevor der Schmerz überhaupt ankam.
Er taumelte.
Ein zweiter Treffer kam sofort.
Vernichtend.
Er wurde wie eine Stoffpuppe durch die Luft geschleudert. Rüstungsteile splitterten ab, Metall riss unter der gewaltigen Wucht auf. Dunkles Blut spritzte in die Dunkelheit und benetzte das welke Laub, als w?re es schon immer dafür gedacht gewesen.
Krent schlug hart auf dem Boden auf.
Die restliche Luft wurde ihm grausam aus den Lungen gerissen. Sein Blick verschwamm, Sterne brannten in seine Sicht – nicht die klaren Zeichen eines Rangsystems, sondern jene funkelnden Lichter, die Schmerz hinterl?sst, wenn er zu gro? ist, um in Worte zu passen.
Er versuchte zu atmen.
Es kam nur ein heiseres R?cheln.
Seine Finger krallten sich in den kalten Boden. Moos riss unter seinen N?geln. Erde klebte an der Handfl?che. Sein K?rper wollte nachgeben. Wollte liegen bleiben. Wollte alles abstellen.
Steh auf.
Steh auf.
Nicht jetzt.
?Krent!“
Valerias Schrei zerriss die Nacht.
Krent lag am Boden, mühsam r?chelnd, w?hrend Blut aus einer klaffenden Wunde an seiner Seite rann. Er spürte die W?rme davon – und die K?lte, die sofort folgte, als der K?rper begriff, dass da etwas offen war, das nicht offen sein durfte.
Sein Blick k?mpfte. Seine Augenlider waren schwer. Die Welt wurde zu einem grauen Nebel, der an den R?ndern flackerte.
Er hielt ihren Umriss mühsam im Auge.
Nicht… weinen… lauf…
Seine Lippen formten die Worte, doch kein Ton kam heraus. Nur ein weiteres R?cheln, das ihn selbst erniedrigte.
Der D?mon machte einen langsamen Schritt auf ihn zu.
Genüsslich.
Jeden Moment auskostend.
Jeder seiner Schritte lie? das Laub unter seinen Klauen erzittern, als h?tte der Wald selbst Angst, zu laut zu atmen.
?Du wolltest schützen“, schnarrte das Wesen. Seine Stimme klang, als würde jemand Metall über Knochen ziehen. ?Sü?.“
Krent spürte den Druck der Pr?senz wie eine Hand auf seinem Brustkorb, als würde der D?mon ihn nicht nur verletzen wollen, sondern ihn besitzen.
Er versuchte, die Klingen zu heben. Die Arme gehorchten kaum. Ein blauer Funke sprang, schwach, fast beleidigend.
Der D?mon lachte wieder.
Dann passierte etwas, das Krent nicht sofort verstand.
Nicht am D?mon.
An Valeria.
Es war, als würde in ihr etwas rei?en.
Sie lie? den Bogen einfach fallen.
Das schwere Holz schlug dumpf auf den Boden auf – ein Ger?usch, das in der Stille etwas Endgültiges hatte. Kein Z?gern. Keine überlegung. Als w?re der Bogen pl?tzlich ein Fremdk?rper, der ihr nicht mehr geh?rte.
Ein lautes Knacken hallte über die Lichtung, als sie den Kopf ruckartig zur Seite neigte. Nicht wie ein Mensch, der sich den Nacken l?st. Eher wie ein Tier, das sich vor dem Sprung ausrichtet. Ihre Muskeln spannten sich bis zum ?u?ersten an. Eine unnatürliche Vibration ging von ihr aus, so fein, dass man sie eher fühlte als sah.
Die Magie in der Umgebung… ?nderte sich.
Für Krent blieb sie ein z?her Nebel, der ihn würgte, der seine Blitzenergie stolpern lie?.
Doch um Valeria herum war es pl?tzlich anders: Es war, als würde alles Mana, alles Flie?en der Welt, für sie versiegen. Als würde die Verbindung einfach abgeschnitten.
Ihre roten Augen begannen vor einer dunklen, kontrollierten Wut zu brennen, die nichts mehr mit Feuer zu tun hatte.
Es war kein Ersch?pfen ihrer Kr?fte. Kein Mana-Mangel. Es fühlte sich eher an, als würde sie die Magie der Welt aktiv wegsto?en. Als würde sie sagen: Nicht du. Nicht heute.
Was… machst du…? dachte Krent, doch sein K?rper lie? ihn nicht sprechen.
Valeria atmete einmal tief ein.
Und mit diesem einen Atemzug zog sie nicht l?nger die Magie der Welt in sich auf.
Sie zog Blut.
Krent schmeckte das Eisen in der Luft, noch bevor er wirklich verstand, was geschah. Sein eigenes Blut, das in den gierigen Boden gesickert war, begann pl?tzlich zu zittern, als würde es einem unsichtbaren, machtvollen Rhythmus folgen.
Es war kein sanftes Flie?en.
Es war ein Befehl.
Dünne, dunkelrote F?den krochen über das graue Moos und die feuchte Erde. Erst langsam, wie suchende Adern. Dann schneller, zielgerichteter. Sie sammelten sich an Valerias Hand, verdichteten sich, wurden dicker, schwerer, gl?nzender.
Der D?mon hielt inne.
Für den ersten Moment, seit er erschienen war, war sein L?cheln nicht nur Spott.
Es war Interesse.
Die F?den formten sich. Schicht um Schicht. Wie geronnenes Leben, das in eine Form gezwungen wurde. Eine Klinge entstand – nicht aus Metall, sondern aus Tiefe. Aus W?rme. Aus etwas, das lebendig gewesen war.
Sie schimmerte in einem bedrohlichen Rot, als w?re sie aus dem Kern eines Herzens geschmiedet worden.
Der D?mon grinste breit. Z?her Speichel tropfte aus seinem Maul auf den Boden.
?Spielen?“
Valerias Lippen verzogen sich zu etwas, das kein L?cheln mehr war. Es war eine Maske aus reinem Zorn. Ihre Stimme war nun tiefer, sch?rfer, als ob ein zweiter, uralter Atem durch sie sprach.
?Ja… dann lass uns spielen.“
Ein einziger Schlag des Herzens – und sie war von ihrem Platz verschwunden.
Nicht gelaufen. Nicht gesprungen.
Verschwunden.
Im n?chsten Augenblick explodierte der Boden direkt unter den Fü?en des D?mons. Erde barst in einer gewaltigen Font?ne, Blut spritzte auf, und das h?mische Grinsen des D?mons gefror augenblicklich in seinem Gesicht.
?Was…?“
Valeria stand nun dicht vor ihm.
So dicht, dass Krent die Spannung zwischen ihnen fast sehen konnte – wie eine unsichtbare Schnur, die jeden Moment rei?en musste. Die pulsierende Blutklinge lag in ihrer Hand, und ein b?sartiges, rotes Licht brannte in ihren Augen.
Einzelne Str?hnen ihres silbernen Haares f?rbten sich tiefrot, als ob das Blut selbst sie von den Wurzeln her durchtr?nkte. Es war kein hübscher Effekt. Keine Eleganz. Es war ein Zeichen.
Valeria knurrte.
Ein Ger?usch, das tiefer aus ihrer Kehle kam als alles, was Krent je von ihr geh?rt hatte. Roh. Unverstellt. Wie ein Tier, das nicht mehr bittet, sondern nimmt.
?Wie du mit meinem Mann gespielt hast…“
Sie war nicht mehr die elegante J?gerin Valeria.
Sie war eine Berserkerin, die endlich Blut gerochen hatte.

